5. Arbeitstreffen „Materialien im Wandel: Phasen, Ströme, Stauungen“

Kunsthistorisches Institut, Eberhard Karls Universität Tübingen

Ausgangspunkt ist die These, dass Auseinandersetzungen mit „Stoffen in Bewegung“ und „Materialien im Prozess“ den Umstand berücksichtigen müssen, dass Materialflüsse und Stoffzirkulationen keineswegs immer gleichförmig und kontinuierlich sind. In Betracht zu ziehen sind dementsprechend die variable Mobilität und Performanz der Materialien sowie die unterschiedlichen Temporalitäten und Größenordnungen stofflicher Vorgänge. Dies gilt sowohl für den globalen Materialverkehr, d.h. die ökonomische und industrielle Mobilisierung von Stoffen, als auch für die Prozessualität der Materialien selbst: sie durchlaufen diverse Phasen der Beschleunigungen, Intensivierung, Konzentration oder Verlangsamung. Fluidität ist folglich kein durchgängig uniformes Phänomen, sondern weist verschiedenartige, relative Dynamiken auf. Im Rahmen des Treffens werden unterschiedliche Ordnungen des Fließens, Fluktuationen und Turbulenzen, Schwankungen und Stauungen, Disruptionen und Mischungen sowie wechselnde Grade der Viskosität und Stratifikation diskutiert – kurzum: die Vielgestaltigkeit materieller Bewegungen und Wandlungen.

Dass die Welt der Materialien ‚im Fluss‘ ist, bedeutet folglich nicht, dass man es mit einem gleichmäßigen Strom zu tun hat oder das alles gleichermaßen fließt. Zu diskutieren ist stattdessen die Variabilität stofflicher Prozesse, die von einer Fülle innerer und externer Faktoren abhängt und sich in diversen Zeit und Größendimensionen vollzieht. Ein Ziel des Treffens ist es, Alternativen zur theoretischen Homogenisierung von Materialien zu entwickeln und zu diskutiert, wie sich die Simultaneität multipler temporaler Register und Größenskalen in der kunst- und kulturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Stoffen und Materialprozessen adäquat berücksichtigen lässt.