6. Arbeitstreffen „Im Fluss: Neue Perspektiven der Material/itätsforschung“

Ziel des Abschlusstreffens ist, die konzeptuell-methodologische Arbeit des Netzwerks zu bündeln sowie Entwicklungsmöglichkeiten der kunst- und kulturwissenschaftlichen Erforschung von Material/ität zu diskutieren. Des Weiteren ist detailliert zu erfassen, welche bisher ausgeblendeten Aspekte des Materiellen mithilfe der programmatischen Umorientierung in den Blick rücken. Die Grundzüge dieser vom Netzwerk praktizierten Neuperspektivierung lassen sich folgendermaßen resümieren: Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die ‚im Fluss‘ befindliche Welt der Materialien anstatt auf die Hardware der materiellen Welt; ins Zentrum rücken Stoffe und Materialprozesse anstatt Objekte und Dinge; der Fokus liegt auf der Ästhetik und Epistemologie des Fluiden statt auf der Ästhetik und Epistemologie des Konkreten; erarbeitet werden sollen die Grundlagen einer Materialtheorie statt einer Theorie der Materialität.

Um eine fundierte „material literacy“ (Lehmann) für die Kunst- und Kulturwissenschaften zu entwickeln und auszubilden, ist es folglich unerlässlich, auch Stoffe und Materialprozesse, Wandelbares und Fluides zu berücksichtigen. Mit dieser alternativen Ausrichtung des Interesses an materiellen Phänomenen wird gleichwohl kein Gegenentwurf angestrebt, der bestehende Zugänge und deren Erkenntnisse prinzipiell zurückweist. Es geht vielmehr um deren systematische Ergänzung und Erweiterung. Im Rahmen des Arbeitstreffens wird deshalb auch diskutiert, wie sich beide Sichtweisen in einer umfassenderen und komplexeren Konzeption des Materiellen miteinander verknüpfen lassen. Nicht zuletzt gilt es zu überlegen, mit welchen ästhetischen, pädagogischen und kuratorischen Mitteln sich ein Materialwissen des Fluiden angemessen vermitteln lässt.